BAUINFOalpin
Meinungen

Sehr geehrte/r Besucher/in unserer Homepage!

Nachfolgend finden Sie Beiträge und Kommentare zum Thema "Bauschäden - vermeiden, aus Fehlern anderer lernen!" Wir möchten auch Sie einladen einen Beitrag zu diesem Thema aus Ihrer beruflichen und persönlichen Sicht zu verfassen und uns zu übermitteln.

Wählen Sie:

BEITRÄGE
 
PRESSE (PDF zum downloaden)

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Horst Gamerith, Graz
"BAUSCHÄDEN UND IHRE VERURSACHER"

 

"SCHADENSBILDER"

Quelle: REPORT 2/2003

Baurat h.c. Dipl.Ing. Walter, Lüftl, Wien
BAUMÄNGEL: Folgeschäden und Volkswirtschaft
oder "Wer zahlt denn letztlich?"
   
Die Inhalte der Website sind geistiges Eigentum des Forums BAUINFOalpin bzw. der gesondert angeführten Autoren. Die Dateien sind downloadbar und können damit weiter gegeben werden. Die Verwendung von Textteilen in anderen Veröffentlichungen ist nur mit Quellenangabe und mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors/der Autorin zulässig

 

 








Michael Hladik

Einleitung zum Beitrag von Univ.-Prof. Gamerith:

Die Frage, wer für einen aufgetreten Mangel oder gar für einen Bauschaden verantwortlich ist, haften und schlussendlich zahlen muss, ist für die vom eingetretenen Problem Betroffenen gleichermaßen von grundlegender Bedeutung, wie für die Planenden und Ausführenden.

Bauleistungen aller Art (Planung, Ausschreibung, Bauleitung, Ausführung) werden öffentlich oder örtlich eingeschränkt ausgeschrieben, nicht selten auch einfach einem Unternehmen, das man kennt, oder einer empfohlenen Person übertragen. Niemals wird jemand behaupten können, nur die Besten eingeladen und nur die Besten beauftragt zu haben. Das geht schon deswegen nicht, weil man nicht alle kennt und weil auch nicht alle die Leistungen anbieten wollen oder können. Vieles am Bau hängt daher vom Zufall ab. Vom Zufall der Auftragserteilung an genau dieses Büro, just an diese Firma.

Es bleibt aber auch dem Zufall überlassen, welcher Sachverständige zur Beurteilung beigezogen wird, welchen Juristen man mit der rechtlichen Beratung und Erledigung beauftragt. Bauen ist bis zu einem gewissen Maße auch eine Glücksache.

Ein absoluter Bauprofi, der das Bauen von der Pieke auf, vom Handwerk bis zur universitären Forschung selbst erlernt, erfahren, erlebt und mitgestaltet hat, machte sich zu den Verursachern von Bauschäden Gedanken. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Horst Gamerith ist der Vorstand des Instituts für Hochbau und Industriebau der Universität Graz, Architekt und Baumeister und als sehr gefragter allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, mit Baumängeln und Bauschäden ständig befasst.

Lesen und vertiefen Sie sich in die Gedanken eines national und international anerkannten Experten:

Gedanken von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Horst Gamerith
BAUSCHÄDEN UND IHRE VERURSACHER


EINSTIMMUNG

Vorweg muss man feststellen, Bauschäden sind sicher so alt, wie das Bauen selbst. Jeder Baustil bzw. jede Architekturmode hatte ihre typischen Bauschäden. "Die Bauherren" als Verursacher jedweder Bauwerke sind nach dem Verursacherprinzip, also die Initiatoren aller Bauschäden!

So leicht darf man es sich aber nicht machen. Obwohl die Bauherren heute oftmals mehr Schuld an mangelhaften Bauten tragen, als es im ersten Moment erscheint.
Wer sind die Bauherren von heute eigentlich? Die Häuslbauer, private Wohlhabende, Geschäftsleute mit oder ohne Kredite, öffentliche Bauträger bzw. Wohnbaugenossenschaften hinter denen diverse Geldgeber stehen, also selten Individuen, sondern zunehmend anonyme Lobbies.

Bauen die einen, die Häuslbauer, in erster Linie für sich selbst mit eigener Planung und Initiative, aber meist nicht übereilt (stand by), so bauen die anderen meist mit fremdem Geld und haben es daher unheimlich eilig, da die Zwischenfinanzierungen sehr teuer geworden sind (Feuerwehrmethode).

Bauherren haben obendrein oftmals den irren Glauben, dass Gebautes ewig halten muss. Alles auf unserer Erde ist aber den Gesetzen der Erosion unterworfen - Gott sei Dank! Bauen ist also auch nur ein hinhaltender Kampf gegen die Kräfte der Erosion. Es ist nur wichtig, dass dieser Kampf gegen das "Kaputtwerden" geordnet geführt wird. Was schneller kaputt wird oder werden darf, muss auch leichter auswechselbar konzipiert werden. Solche Überlegungen sind vor allem ein Teil einer guten Planung.

Unterscheide auch beim Bauen verschiedene Qualitätskriterien z.B.: zwischen dem "Wegwerf-Prinzip" - dem "Instandhaltungsprinzip" - und dem "Rolls-Roys-Prinzip". Es ist nur allzu logisch, dass diese Qualitätsunterschiede auch verschiedene Kosten verursachen. Nach welchen Prinzipien ein Gebäude bzw. Teile davon errichtet werden sollen, ist vorweg mit dem Bauherren abzuklären.

Welchen Beitrag kann also die "Kategorie Bauherr" zum Bauschadensgeschehen leisten?

FEHLERQUELLE "BAUHERR"

Sie wissen oft nicht zeitgerecht, was Sie eigentlich wollen. Mit dem Planungs- und Baugeschehen kommen erst die Wünsche, sprich Änderungen und Erweiterungen.

Oftmals steht hinter diesem vorgegebenen Planungsdruck, System. In dieser Hektik entstehen leicht Fehler, Fehler für die der Planer haftet. Bekanntlich ist für ein fehlerhaftes Werk der Werklohn nicht fällig.

Sie beauftragen meist auch nicht zeitgerecht, die für eine ordentliche Abwicklung notwendigen Leistungen an ein hierfür geeignetes Team, mit einer kompetenten Führungspersönlichkeit an der Spitze. Ein solches Planungsteam muss mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet sein und muss sich vor allem harmonisch ergänzen. Kein Coach würde eine Fußballmannschaft aufstellen, die nicht miteinander eingespielt ist. Bauherren gewähren oftmals keinen angemessenen Planungsvorlauf und stellen abgeleitet von den hohen Kreditkosten, schier unmögliche Termine - eine zu kurze Bauzeit verursacht eine eigene Kategorie von Bauschäden.

Wo mit Wasser gebaut wird, muss man das Wetter berücksichtigen. Abbindezeiten und Trocknungszeiten lassen sich nicht ohne nachhaltige Konsequenzen einfach wegrationalisieren. Bauherren genehmigen auch manchmal nicht die notwendigen Mittel, sie bauen daher nur scheinbar billig - aber billig bauen ist teurer als richtig bauen (Sparen am falschen Fleck). Immer öfters sind die Bauherren quasi eine Errichtungsgesellschaft, die primär die Herstellungskosten im Auge haben, die laufenden Erhaltungskosten und Betriebskosten, mit einem Wort die Vollkosten, anders bewerten als es aus volkswirtschaftlicher Sicht richtig wäre.

Wenn die hier aufgezeigte Problematik auch nicht zu unterschätzen ist und der Trend zur Errichtung zu noch schnelleren und billigeren Volumina anhält, ist die Fehlerquelle Bauherr, die kaum in der Bauschadenstatistik aufscheint, indirekt von zunehmender Bedeutung. Es ist vordringliche Pflicht des Planungsteams, den Bauherrn auf realistische Vorgaben aufmerksam zu machen. Dies setzt wiederum große Erfahrung und Weitsicht der Führungspersönlichkeit des Planungsteams voraus.

Die Hauptverursacher von Bauschäden sind aber vor allem laut Statistik die Planer mit ca. 40%, die Ausführenden mit ca. 30% und die Materialhersteller mit ca. 15% und ca. 10% entfallen auf falsche Nutzung. Nur ein kleiner Anteil von ca. 5% bezieht sich auf den natürlichen Verfall (Erosion).

Wir wollen uns aber hier vorwiegend mit der Planung und Ausführung und mit deren Ursachen bezüglich Bauschadenserzeugung und deren Folgen auseinandersetzen. Aber auch die allzu große Materialvielfalt und falsche Nutzung sollen angesprochen werden.

FEHLERQUELLE "PLANUNG"

Was tragen also die Planer zum Bauschadensgeschehen bei? Vorerst muss man nach der Bauaufgabe und nach den Bearbeitungsphasen differenzieren.



Der derzeitige Trend geht zu einer immer größeren Aufspaltung von Teilleistungen. Diese Aufspaltung fördert Missverständnisse und verwässert oft das Entwurfskonzept. Eine Aufspaltung ist nur unter erhöhter Koordinierungsarbeit möglich. Fax und Handy haben den Begriff der "Spontanplanung" ermöglicht. Von langer Hand gut vorbereitete Konzepte werden im letzten Augenblick meist unreflektiert durch einen scheinbaren Vorteil umgeschmissen. Soll doch ein guter Entwurfsgedanke in jedem Detail noch spürbar sein (gleichsam wie bei einer Zelle, von der aus auf den ganzen Organismus geschlossen werden kann).

Immer weniger wird die ökonomische Machbarkeit, die sinnvolle Realisierung in das Entwurfskonzept miteinbezogen. Dabei soll ein guter Entwurf gleichsam wie ein "Embryo" sein. Alles ist schon im Ansatz vorhanden, nur nichts ist konkret entwickelt - aber eine geordnete Entwicklung ist dem vorgegeben System immanent. Ein so konzipierter Entwurf ist eine gute Vorbeugung auch gegen Baumängel.

Eine geordnete Ausführungsplanung incl. Beschreibung, in allen Punkten aufeinander abgestimmt, muss rechtzeitig vor Baubeginn vorhanden sein. Dies nicht nur betreffend Baumeisterarbeiten, sondern eine solche Konsequenz ist über sämtliche Professionisten durchzuführen. Zuerst die Ausführungsplanung und dann die detaillierten Leistungsverzeichnisse. Bedauerlicherweise sind diese Büroleistungsabschnitte in der Gebührenordnung für Architekten in falscher Reihenfolge angeführt.

Es gilt wieder die Kluft zwischen den Planenden und den Ausführenden zu verringern. Nicht immer neue Konzepte, sondern solche, die als sinnvoll anerkannt werden, sind entsprechend zu analysieren und weiter zu verfolgen - wir sollen wieder mehr aus der Erfahrung lernen!

Leider gibt uns unsere schnelllebige Zeit kaum die Möglichkeit kontinuierlich Erfahrung zu machen. Eine gründliche Analyse von Bauschäden und ein ehrlicher Erfahrungsaustausch ist notwendig.

Unterscheide zwischen Bauwerken in Standardausführung und Prototypen (die es als Modell- Demonstrativ, Versuchsbauten zu errichten gilt). Dabei bedenke, dass sich nicht jeder Gestaltungswunsch bauschadensfrei umsetzen lässt. Vor allem die Übertragung von Architekturen ferner Länder zu uns, also die Internationalisierung der Architektur, ohne auf die Gegebenheiten des Ortes genügend Aufmerksamkeit zu legen, ist Ursache verschiedener Bauschäden.
Vieles ist technisch machbar - aber nur weniges ist wirtschaftlich vertretbar!

Unterscheide zwischen: Standarddetails: Sind aufgebaut auf Erfahrung, haben sich bereits bewährt, stellen die Regel der Technik dar - sind Baustofflieferanten und den Ausführenden bekannt. Im Wesentlichen gleichartige Ausführungen kann man wo anders bereits besichtigen. In der Variation und Wahl der Proportionen liegt hier vor allem der gestalterische Spielraum.

Risikodetails: Sind Neuentwicklungen, Kombinationen von Ideen, die einen großen Planungsaufwand benötigen und ihre Tauglichkeit erst unter Beweis stellen müssen. Sie stellen ein Experiment dar, ihre Umsetzung benötigt daher ein besonderes Maß an Risikobereitschaft und Können aller Beteiligten (Planer und Ausführende). Es ist wichtig, dass der Bauherr informiert ist, wie die Risiken bei solchen Konstruktionen verteilt sind.

Architekturexperimente sind zwangsläufig vorwiegend nur mit Risikodetails zu verwirklichen. Jeder neue Baustil hat in der Entwicklung solche Risiken auf sich genommen (Romanik, Gotik, auch in der Renaissance wurden Kuppelbauten bis zu Einsturz riskiert).

Nulldetails: Betrifft jene Detailpunkte, die einer sorgfältigen Planung bedurft hätten, aber die den Ausführenden mehr oder weniger überlassen werden (mangelnde Detailplanung - Planungsunterlassung).

Manchmal werden Details erst auf der Baustelle entschieden. Das geht hie und da noch gut, aber was machen künftig die jungen Architekten, wenn es die alten Handwerker nicht mehr gibt, die noch imstande sind, vor Ort noch halbwegs richtig zu improvisieren?

Der Detailaufwand für ein Projekt ist jedenfalls je nach Angemessenheit der gestellten Aufgabe zu betreiben.
Heute werden im Bauwesen zunehmend in sich geschlossene Bausysteme angeboten. Dies kommt aus der Entwicklung, immer mehr weg vom Handwerk hin zum Industrieprodukt - vom Bauen zum Montieren.

Fenster- bzw. Fassadensysteme, Flachdach-, Installationssysteme etc. stehen mehr oder weniger ausgereift den Bauschaffenden zur Verfügung.
Wichtige Merkmale eines guten Systems sind:
Die Aufgabe des Planers besteht nun darin, Einzelsysteme am Bau so zu kombinieren, dass daraus ein geordnetes Ganzes wird, also die Schnittstelle zur Nahtstelle machen - wahrlich keine leichte Aufgabe! Dazu braucht man theoretisch gut ausgebildete und erfahrene Personen, denen auch genügend Zeit und die Möglichkeit zur Verfügung stehen, um eine Bauaufgabe geordnet erledigen zu können.

Bedenke ein gewisses Maß an Qualität zu bringen, ist stets mit Quantität an Arbeit, die seine Zeit braucht verbunden.

Eignungs - Anforderungsprofil:

Ein Bauteil ist so auszubilden (muss dafür geeignet sein), dass es die planmäßigen Beanspruchungen incl. der gewählten Sicherheiten auf eine angenommene Nutzungsphase aushält. Hier gibt es, wie vorher erwähnt, große Qualitätsunterschiede!

Ein Baumangel wird hergestellt - ein Bauschaden stellt sich entweder im Laufe der Zeit ein bzw. zeigt sich im Gebrauch.

Ein Bauschaden zeigt sich im Naturversuch! Ein Naturversuch, bei dem meist das Nachleseverfahren gründlicher erfolgt, und oftmals auch kostspieliger ist, als das Vorbereitungsverfahren.

Die "Beinahe-crashs", welche augenscheinlich nicht feststellbar sind, werden jedoch zukünftig durch diese Gütesicherungsmethoden größtenteils aufgedeckt werden. Die diversen Qualitätssicherungsmethoden werden uns ganz sicher nicht das Bauen verbilligen, hoffentlich aber die Bauschäden vermindern helfen.

Einteilung der Mängel:

Heute, bei dem Facharbeitermangel ist manches mehr "Machwerk" statt "Handwerk".
Konstruktionen sollen bei richtiger Pflege für eine angemessene Nutzungsphase den Erwartungen entsprechend schadensfrei bleiben und wenn durch Alterung erforderlich, ohne besonderen Folgearbeiten leicht instandsetzbar, austauschbar sein. Verschleiß nach Erfüllung einer angemessenen Nutzungsdauer ist nicht einer Kategorie von Bauschäden zuzuordnen.

Die Erhaltungskosten eines Gebäudes (Instandsetzungs - und Instandhaltungskosten) betragen an Barwert über die Nutzungsdauer bezogen ca. 100 - 150% der Herstellungskosten bzw. 1% - 1,5% pro Jahr.

Eine der Hauptursachen, um Bauschäden zu erzeugen, liegt meiner Meinung darin:

in der falschen Einschätzung der Tauglichkeit von Konstruktionen
in der zu geringen Vorbereitung für die Ausführung
in der mangelnden Koordination im Büro, zwischen Büro und Baustellen und auf der Baustelle
in der Überforderung der Ausführenden
in den zu geringen Ansätzen für Zeit und Kosten
vor allem die tüchtigen örtlichen Bauleiter sind stets überfordert, werden quasi verheizt.


FEHLERQUELLE MATERIAL

Was die Materialien am Bau betrifft, gibt es den Ausspruch: "Es gibt keine schlechten Materialien, nur deren schlechte Anwendung!" Das richtige Material an der richtigen Stelle einsetzen - ist eine wichtige Planungskomponente!

Keine leichte Aufgabe, denn heutzutage gibt es einfach zu viele Materialien am Markt! Viele davon sind nicht genügend "attestiert". Für Neuerungen, also Unausgereiftes wird unüberhörbar permanent Reklame gemacht. Bedenke: die Werbung wird heute vorwiegend von Psychologen und nicht mehr von Technikern gemacht. Das Gute wird durch das sogenannte Bessere, immer Neue, überdeckt. Die Konkurrenz ist brutal und auch für den erfahrenen Planer nicht mehr durchschaubar. Eine Bereinigung des Baustoffmarktes in einer Art "Baustoffabrüstung" wäre erforderlich. Weniger aber besser deklarierte Baustoffe würden die Qualität des Bauens sicher anheben. Die schier unübersehbare Vielfalt birgt viele Gefahren in sich, etwas falsch zu machen - falsch zu planen - falsch zu bestellen - falsch zu verbauen - falsch zu verrechnen.


FEHLERQUELLE "AUSFÜHRUNG"

Ein Kapitel für sich - wer hat schon genügend Zeit zum Planen - geschweige denn zum Ausführen - den Letzten beißen die Hunde! Das gilt besonders am Bau. Unfertige Planung, unseriöse Vorbemerkungen und Ausschreibungen, unmögliche Terminvorgaben, mangelnde Bauführung, überforderte Firmen. Dabei haben die ausführenden Firmen genügend eigene Probleme. Sie bekommen kaum Nachwuchs (Alles, was glaubt halbwegs intelligent zu sein, geht heute studieren). Unterpreise, Zeitdruck und fachliche Überforderung, verbunden mit unqualifizierten Anweisungen, überlagert mit den vorher erwähnten Feststellungen, ergibt oftmals ein Dilemma, das manchmal erst bei Gericht seine Endphase findet.

Überall ist zuwenig Zeit - kaum mehr ein Spielraum gegeben, eine Hektik macht sich breit, die auf der Baustelle ein Chaos entstehen lässt. Ein geradezu ideales Klima für die Entwicklung von Kostenerhöhungen und Bauschäden. Auch die zunehmende Flut von Normen und Vorschriften, die kaum einer in der Kombination auf den Einzelfall angewendet rechtzeitig überschauen kann, trägt wenig für die Bereinigung solcher Zustände bei. Dazu kommt noch, dass manche Bauherren dieses hektische Baugeschehen nahezu heraufbeschwören. Unklare Verhältnisse verursachen meist Fehler. Wie heißt es im Gesetz? Bei fehlerhaftem Werk ist kein Anspruch auf Werkslohn fällig. Manche Bauherren sind darauf aus, mehr zu bekommen, als sie bestellt haben. Sie zahlen einfach nicht und lassen sich dann klagen.

Aber auch die Übersensibilisierung bzw. der Perfektionstick hat immer häufiger Gewicht bei Bauschadensbeanstandungen. Daraus ist es verständlich, dass Mängellisten bereits ein Eigenleben führen, Sachverständige und Gerichte sind daher mit dem Bauwesen gut beschäftigt. Würde dieser Aufwand an Zeit und Geld an der richtigen Stelle in das Bauwerk investiert werden, wäre es sicher sinnvoller angelegt.

Bei der Ausführung muss man die Schadensbilder je nach Professionisten differenzieren, doch die häufigsten Schäden sind an den Schnittstellen zu finden. Wenn mehr als 3 Professionisten an einem Detailpunkt gleichzeitig beschäftigt sind, wird die Ausführung bereits meist problematisch.

Handwerklich gediegene Ausführungen sind heute oft in Konkurrenz mit dem sogenannten wirtschaftlichen, industriellen Machwerk. Handwerklich Hergestelltes und Industrieprodukte lassen sich somit nicht vergleichen - haben einen anderen Stellenwert. Ein Problem liegt darin, dass clevere Konzeptionen bzw. Systemangebote momentan günstiger erscheinen, jedoch ihre Reparaturzyklen nicht angemessen sind (z.B.: bei Systemwechsel und Firmenkonkurs bzw. nicht für Reparaturen konzipiert). Zum Teil wird die Instandsetzung bewusst ausgeklammert, um uns neue Technologien aufzuzwingen. Wenn nur ein Teil kaputt ist, muss trotzdem alles neu kommen (mindestens ein kompletter Einbausatz). Ganze Systeme werden nur aus marktwirtschaftlichen Überlegungen periodisch geändert, um das Neuanschaffen (Wegwerfen) zu initiieren. Auch die Mode im Bauwesen ist diesbezüglich ein künstlicher "Altmacher".

Konsumzwang hat auch im Bauwesen Einzug gehalten, sogenanntes wirtschaftlich hergestelltes, industrielles Machwerk überschwemmt uns, das ist ein Grund, weshalb wir so an handwerklich ausgeführten Gegenständen hängen. Wir erzeugen heute vorwiegend Gebrauchsgegenstände also kaum mehr Wertgegenstände. Wer wird einst unsere Erzeugnisse als Antiquität sammeln - ?

FEHLERQUELLE "NUTZUNG"

Dies ist die letzte Kategorie, die es hier zu behandeln gilt.

Anforderung und Eignung sind auch hier die passenden Schlagworte. Das heißt, die Anforderungen bzw. Nutzungen gehören bei der Aufgabenstellung definiert. Die Toleranzbereiche - die Anforderungen an das Trag- und Verformungsverhalten sowie der Verschleiß durch die Nutzung einzelner Oberflächen bzw. Gegenstände sind zu vereinbaren. Die Instandhaltungs- und Instandsetzungszyklen sind in Wartungsbüchern - Wartungsverträgen aufzuzeigen. Auch die Schutzfunktionen des Bauwerkes, also Klimaschutz, Schallschutz, Brandschutz, auch die Qualifikation, die Qualitätsvorstellungen sind mit dem Kapitel Anforderungen rechtzeitig festzulegen, um keine falsche Illusion aufkommen zu lassen.

Sorgfältig durchgeführte Gütesicherungskontrollen sollen gewährleisten, dass einzelne Konstruktionen und das Bauwerk als Gesamtes geeignet sind, die gestellten Anforderungen zu erfüllen. Mängel durch falsche Nutzung, vor allem durch falsche Wartung, sind häufig auslösende Momente für diverse Schadensbilder. Es ist bekannt, dass jeder Gegenstand einer gewissen Wartung bedarf. Unansehnliches frühzeitiges Altern bei Unterlassung der Wartung ist vor allem darauf zurückzuführen (vieles wird schäbig, unansehnlich, aber nur weniges "mit Anstand alt").

Nutzungsfehler werden vor allem in den ersten Jahren des Gebrauchs gemacht. Mangelnde Austrocknung von Bauwerken sowie Fehlbedienung von Aggregaten durch mangelnde Kenntnis, aber auch echte Überforderungen der Baulichkeiten, z.B. durch Überbelegungen (Garconnierewohnungen), falsches Energiesparen, überlautes Betreiben von Schallquellen bzw. Erschütterungen von Maschinen, sind z.B. Ursachen von gerechtfertigten Beanstandungen. Aber auch Schäden, die den sogenannten "ruhenden Verschleiß" zuzuordnen sind, fallen unter die Kategorie Nutzungsfehler. Gleichsam nach dem Sprichwort: "Was rastet, das rostet".

ZUSAMMENFASSENDE GEDANKEN ZUM THEMA

Selten ist nur einer an einem entstanden Bauschaden Schuld! Es ist meist eine Verkettung von Ursachen - fast ein gesellschaftspolitisches Problem. Falsche Voraussetzungen, Unterschätzungen der Aufgaben und Überschätzen der eigenen Möglichkeiten, sowie überzogene Vorstellungen des Bauherrn, allzu schnelles Bauen und Sparen am falschen Fleck, sind die häufigsten Quellen der Missverständnisse.

Bauen bleibt auch in nächster Zukunft ein gewisses Abenteuer! Jedoch, desto besser die Berufsausbildung und je mehr man an Erfahrung reich ist, je realistischer die Voraussetzungen sind (Aufgabenstellung, Preis und Termine), je anständiger sich die Beteiligten begegnen, desto größer ist die Chance bauschadensfrei zu bauen. Jedenfalls ein noch mannigfaltigeres Materialangebot, mehr Vorschriften, mehr Kontrollen sind kein Garant für weniger Bauschäden. Eine auf Anstand aufbauende Gesinnung gilt es auch wieder mehr im Baugeschehen einzuführen. Das Bauen darf nicht noch mehr zunehmend "verwissenschaftlicht" werden, die Kluft zwischen komplizierten Planungen - die nicht immer perfekt zu Ende gedacht sind und die handwerklichen Möglichkeiten am Bau - die immer bescheidener werden, gilt es wieder zu verringern.

Vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen und mehr Kontinuität soll auch im Bauwesen eine Zielvorstellung sein.

Kontrollen sind zu systematisieren, doch Vertrauen soll Voraussetzung sein.

Abschließende Gedanken, wie Bauschäden künftig verringert werden können?

Erwartungszeiten

Die Folgen der geplanten Bauschäden sind ganz einfach, kurzlebige Konstruktionen, Nutzerbeschränkungen, höhere Instandhaltungskosten, zunehmende Gerichtsprozesse, alles in allem volkswirtschaftliche Nachteile und unzufriedene Beteiligte.

Aus dieser Erkenntnis heraus muss sich sehr bald etwas an den derzeitigen Bau-Usancen ändern. Mehr Praxis bezogenes Wissen, eine geringere aber gut attestierte Baustoffpalette, mehr Anstand, mehr Verständnis, aber auch mehr qualifizierte Kontrollen wären diesbezüglich mein Vorschlag.


Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Horst Gamerith Top
Architekt und Baumeister
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Vorstand des Instituts für Hochbau und Industriebau
Universität Graz
Lessingstraße 25/3
A-8010 Graz

Website:

 


 

 

 

 


Michael Hladik

Einleitung zum Beitrag von Baurat h.c. Dipl.-Ing. Walter Lüftl

 

Baumängel und insbesonders Bauschäden haben für alle Beteiligten höchst unangenehme Auswirkungen. In erster Linie ist der Bauherr, der Auftragageber betroffen, weil ja -allen vorrangigen Unschuldsvermutungen zum Trotz- immer ein Hauch von Verdacht übrigbleibt, daß da irgendjemand gemurkst hat, und man ja nicht genau weiß ob da noch "schlafende Hunde" vergraben sind.

Für den Ausführenden führen derartige Geschehnisse zu einem nachteiligen Ansehen am Markt, nicht nur weil es manchem Mitbewerber unverholene Freude bereitet, -natürlich unter vorgehaltener Hand- allen zu sagen, wo der andere da "drinnenhängt"

Für den Auftraggeber, kommt oftmals zum Ärger darüber, daß er für sein Geld eine offenbar untaugliche Leistung erhalten hat, nicht selten zum Schaden noch Spott und Hohn Außenstehender.

Daß aber in Wirklichkeit wir A L L E von J E D E M Baumangel und von jedem Bauschaden betroffen sind, das bedenken nur wenige.

Der frühere Präsident der Österreichischen Bundesingenieurkammer (Vorgängerin der jetzigen Kammer der Architekten und Ziviltechniker) Baurat h.c. Dipl.Ing. Walter LÜFTL, Zivilingenieur und Bausachverständiger aus Wien, beschäftigt sich schon lange Zeit auch mit volkswirtschaftlichen Aspekten und hat zum Thema den nachfolgenden Aufsatz verfasst:

 

BAUMÄNGEL:

Folgeschäden und Volkswirtschaft

oder

Wer zahlt denn letztlich?

Schon ist es passiert! Durch Missachtung der Bauernregel "Hat das Flachdach kein Gefälle gibt es bald 'ne feuchte Stelle" entsteht ein Totalschaden eines Warmdaches ohne ausreichendem Gefälle. Das kommt öfter vor, als man denkt. Als Sanierung bleibt nur die Herstellung eines Satteldaches ( mit hoffentlich ausreichend durchlüftetem Zwischenraum; sonst beginnt zwei Jahre danach der ganze Zauber von neuem. Es gibt da Leute, die in falsch verstandenem Umweltbewusstsein den Hohlraum mit "ISOWONDERFLOP" zumachen!) mit Blechdeckung. Das Ganze kostet 1 Million WE (Währungseinheiten, damit die Sache auch nach dem Euro, dem künftigen Monopolygeld noch aktuell ist!). Und nun bleibt die Frage, wer das alles zahlt.

Vordergründig ist die Frage leicht zu beantworten. Es zahlt der Verantwortliche. Das mag stimmen. Aber wenn der bezahlt hat, ist die Sache erledigt? Nein! Da gibt es einen großen Sponsor! Den Steuerzahler!

Schauen wir uns das in einigen Denkvarianten an.

Der verantwortliche Hersteller ist ein gut verdienender Betrieb. Dann mindern die Aufwendungen für Mangelbehebung, Erkundung der Schadensursache, Kosten der Auseinandersetzung und allfällige Kosten der Rechtsverfolgung naturgemäß den wirtschaftlichen Erfolg der Firma. Die Folge davon ist, dass sie weniger steuerpflichtigen Gewinn hat. Damit reduzieren sich netto die Kosten für das Unternehmen um die nichtbezahlten Gewinnsteuern. Der Steuerzahler sponsert!

Nach Abzug dieser Zwangssubvention (weder der Staat noch der Steuerzahler können sich dagegen wehren!) bleibt dem Unternehmer ein Nettoverlust in der Kassa (V-ST= Y, Verlust minus ersparte Steuern ist gleich entgangenes Nettoeinkommen). Unter Bedachtnahme auf die alte Formel, dafür gab es einst den Nobelpreis, Y = C + I (Einkommen ist gleich Konsum + Investitionen) hat das volkswirtschaftlich unangenehme Folgen. Dadurch kann der Unternehmer entweder weniger investieren oder weniger konsumieren. Damit fallen weniger Verbrauchsteuern und Gewinnsteuern woanders an. Wer zahlt also abermals mit? Der Steuerzahler, abermals als Sponsor durch entgangene Steuereinnahmen; usw, usw.


Vordergründig mag man nun einwenden, dass ja das Sanierungsgewerbe belebt wird, insbesondere deswegen, weil ja das BIP (Bruttosozialprodukt) deswegen steigt. Ja, das steigt genauso, wie die Beinbrüche beim Wintersport und die Glatteis- und Nebelmassenkarambolagen auf den Autobahnen für eine Steigerung des BIP sorgen.

Was immer vergessen wird, bei Baumängeln wird Vermögen vernichtet! Wir verwandeln Vermögen in Einkommen. Das geht auf die Dauer nicht gut. Jeder Baumangel macht uns ärmer. Wir essen sozusagen unser Immobilienvermögen vorzeitig auf.

 

Nun schalten wir eine Versicherung ein (ob Deckung gegeben ist soll uns bei unseren Überlegungen nicht berühren, dies vorweg, um beckmesserische Zuschriften vorsorglich hintanzuhalten!). Wenn die Versicherung zahlt und gewinnbringend arbeitet verschiebt sich die unfreiwillige Sponsortätigkeit des Steuerzahlers nur um eine Phase. Arbeitet die Versicherung aber mit Verlust, so muss sie ihre Prämien erhöhen, da bekanntlich mit dauerndem Verlust nur der Staat leben kann. Der bucht das Defizit auf die Staatsschulden, die er ohnedies nie bezahlt, da er bekanntlich bis zum Staatsbankrott bloß mit Zinseszins "aufschuldet". Die erhöhten Prämien führen aber zu höheren Betriebsausgaben bei den anderen Versicherungsnehmern, was bekanntlich wegen er niedrigeren Gewinne wiederum den Steuerzahler zum unfreiwilligen Sponsor macht.

 

Nun können wir der Vollständigkeit halber auch den Fall untersuchen, in dem der Verantwortliche einen Konkurs hinlegt. Da zahlt den Schaden der Geschädigte in Gemeinschaft mit den sonstigen Gläubigern des Verantwortlichen. Die Folge: Es zahlt der Steuerzahler als unfreiwilliger Sponsor auch in diesem Falle (mit wechselnden Steuersätzen je nach Ertrags- und Vermögenslage der Beteiligten).


Betrachten wir den Fall, dass ein Letztverbrauchergeschäft (Privater Häuselbauer!) vorliegt, so kann dieser Häuselbauer im Falle der Pleite des schuldtragenden Unternehmers nach Tragung der Kosten aus Eigenmitteln zwar nichts als steuermindernde Ausgaben absetzen, aber er muss das nötige Geld eben dann durch Verzicht auf anderen Konsum hereinbringen. Das mindert anderswo das Steueraufkommen. Aber selbst wenn man dieses mit dem Umsatz der Sanierer kompensiert, es bleibt die nicht hinwegzudiskutierende Tatsache, dass Vermögen vernichtet wurde, dass wir somit allesamt ärmer geworden sind, das Volksvermögen wird geringer.

 

Da im Wirtschaftsleben noch viele Varianten möglich sind wollen wir es bei den obigen Beispielen belassen, es ist jedermann überlassen, selbst weitere Varianten zu überlegen. Allen Varianten ist jedoch eines gemeinsam: Baumängel mit allen unangenehmen Folgen belasten die Volkswirtschaft enorm. Der Staat merkt dies aber nicht, er bilanziert ja nicht, er betreibt Kameralistik. Trotzdem bleibt letztlich ein großes Loch in der Kassa, und da spart man halt bei den Rentnern! Wegen der Maastricht-Kriterien!

Welche bisher nicht gezogene Konsequenzen sind daher ehestens zu ziehen?

Während etwa die Berufsgenossenschaften (in Österreich: Arbeitsinspektorate und Unfallversicherungsanstalt) bei der Unfallverhütung überaus aktiv sind, im Straßenverkehr zur Unfallverhütung Beispielhaftes geleistet wird, wird im Bauwesen der "Unfallverhütung" bei weitem nicht der Stellenwert zugemessen, den sie verdiente.

Was derzeit für "Baumängelverhütung" getan wird ist als rudimentär zu bezeichnen. Statt mit hohem Aufwand subventionierte flächendeckende Veranstaltungen etwa als nachunversitäre "Berufsfortbildung" durch unabhängige Veranstalter zu organisieren, überläßt man es zum Teil bloß den "Sanierlobbies" diesen Teil der Berufsbildung als Forum der versuchten Absatzmaximierung für Baustoffe zu betreiben.

 

Wer denkt da nicht an die Auswüchse der Beseitigung von angeblichen Mängeln bei der Wärmedämmung, wo doch bekanntlich sehr häufig mehr (implizite) Energie an die Außenwand (Die vertane Energie für das Dieselöl der Lkw wird häufig vergessen!) geklebt wird, als je auf Restlebensdauer des so angeblich "verbesserten (sanierten)" Objektes eingespart werden kann. "Verlorenen Aufwand" nennt man dies in nicht korrumpierten Fachkreisen.

Die wirkliche Baumängelverhütung muss schon bei der Planung ansetzen, und da ist unsere akademische Lehre weit hinter der Zeit.

Ich mache sehr häufig Gutachten zu Baumängeln. Und da kann ich aus der Erfahrung folgende Relation feststellen: Vorher fragen wie es richtig geht: 1.000 WE Beratungskosten. Es fragt aber niemand. Hier halten sich oft Ignoranz und Indolenz die Waagschale. Nach Schaden mit 100.000 WE Kosten kommen und fragen: wie man saniert und wer für den Schaden aufkommen muss: 15.000 WE Gutachtenskosten für die Schadensabwicklung.

Es ist solch einsamen Rufern in der Wüste, wie dem dafür als "Nestbeschmutzer" zu Unrecht gescholtenen Raimund Probst vorbehalten, wirkliche "Bauschadensverhütung", und zwar unabhängig von Baustofflobbies, zu betreiben. Und was muss der sich so nebenbei anhören: Er schädige das Geschäft der Sanierer!

 

Demnach müßte der Erfinder des Kühlschrankes von der Lebensmittelindustrie genauso beschimpft werden, durch den unterbliebenen Verderb schädigt der ja auch die Lebensmittelproduzenten um die Verdienste aus der unterbliebenen ansonsten notwendigen Mehrproduktion. Da sieht das aber jeder ein: "Kampf dem Verderb" (das Wort stammt allerdings aus einer Zeit, als es noch keine landwirtschaftliche Überproduktion gab!).

Die Vorsorge gegen Baumängel, insbesondere die "geplanten Baumängel" - nichts ist bekanntlich dauerhafter als ein korrekt ausgeführter Planungsmangel, der nach Manifestation am Bauwerk zumeist auch noch fälschlich dem Ausführenden als Ausführungsmangel vorgehalten wird- ist erste Bürgerpflicht, will man die Volkswirtschaft vor unermesslichem Schaden bewahren, man studiere die Zahlen der einschlägigen Berichte.

Anstelle das Geld bereitzustellen -es kommt 10-100-fach zurück-, das für flächendeckende Baumängelprophylaxe nötig ist, saniert man lieber um Milliardenbeträge.

 

Das kommt mir vor wie statt ausreichend für den Brandschutz zu sorgen, vermehrt Gelder für die Feuerwehr und die Aufräumung der Brandstätten in x-facher Höhe bereitzustellen und als unvermeidlich auch auszugeben.

Ich glaube, da ist noch soviel an Aufklärung zu leisten wie im Gesundheitswesen. Was dort unnötig für Medikamente und Therapien ausgegeben wird, statt für Gesundenuntersuchungen und Vorbeugungsmaßnahmen dürfte der unterlassenen Baumängelverhütung wenigstens in der Größenordnung gleichkommen.

 

Und was bedeutet das in der Praxis? Wenn von 100 Besuchern eines "Bauschädenforums" 50 pro Jahr nur je einen "geplanten Baumangel" (Und nichts ist dauerhafter als ein handwerklich ordentlich (nach den "a.a.R.d.T.!) ausgeführter Planungsmangel. Der wird dann meistens, da er sich ja materiell im Werk des unschuldigen Handwerkers manifestiert - Hinweispflichten hat der mangels Erkennbarkeit nicht verletzt! -, letzterem als behaupteter Ausführungsmangel unrichtigerweise von den eigentlichen Schuldigen angelastet!) um 100.000 WE verhüten, so bleiben 5 Mill WE Volksvermögen erhalten. Und der Steuerzahler spart 2,5 Mill WE!. Es sinkt somit das Budgetdefizit und die Staatsschulden steigen weniger schnell.

 

Man überlege, welche Summen Bauschädenseminare und Bauschädenforen sparen können, die auf Prophylaxe, und nicht auf Sanieren abgestellt sind. Da diese Verhütungsarbeit aber (postseminarisch!) in der harten Praxis Widerständeüberwinden muss, wird Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Diese führt aber zu einem Multiplikatoreffekt, da nach jeder durchgesetzten Verbesserung ("Bauschädenprophylaxe") mehrere Proselyten ("Neubekehrte") hervorgehen, die ihrerseits - gestärkt in "neuen Glauben"- das Entstehen weiterer geplanter Baumängel verhüten.

Und da redet man von "Nestbeschmutzem", wenn wirkliche Sachverständige mit pädagogischen Charisma und unbeeinflusst von "Baustofflobbies" Ignoranten und (leider Auch akdemischen!) Dilettanten in solchen Veranstaltungen einen Spiegel vorhalten. Man fasst es nicht.

 

Baurat h.c.Dipl.-Ing. Walter Lüftl

Zivilingenieur für Bauwesen
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Präsident der Österreichischen Bundesingenieurkammer a.D.

A 1180 WIEN, Gersthofer Straße 148/3/2
Tel.: +43-(0)1/ 47 93 241
Fax: +43-(0)1/ 478 48 61
E-Mail: kangaroo@eunet.at

weiter zu: Referenten | Ziele | Kontakt

 

© 2002 by BAUINFOalpin®